Von vSphere zu Proxmox: Umstieg mit zwei oder drei Hosts planen
Die VMware-Lizenz läuft aus, und die Verlängerung kostet deutlich mehr? So planen kleine Firmen den Umstieg auf Proxmox VE, ohne böse Überraschungen bei Cluster, Speicher und Windows-VMs.

Der Support für Ihre VMware-Lizenz läuft aus, und das Angebot für die Verlängerung liegt auf dem Tisch. Für viele kleine Firmen ist das der Moment, in dem sie sich zum ersten Mal ernsthaft mit Alternativen beschäftigen. Proxmox VE steht dabei meist ganz oben auf der Liste. Der Umstieg ist gut machbar, hat aber ein paar Stellen, an denen man ohne Planung stolpert.
Warum gerade jetzt so viele umsteigen
Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom wurde im Dezember 2023 der Verkauf unbefristeter Lizenzen eingestellt. Seitdem gibt es vSphere nur noch im Abonnement, etwa als vSphere Foundation. Bestehende Lizenzen laufen weiter, nach Ablauf des Supportvertrags gibt es aber keine Updates mehr. Wer seine Hosts weiter sicher betreiben will, muss also auf ein Abo umsteigen oder die Plattform wechseln.
Proxmox VE ist eine Virtualisierungsplattform des Wiener Herstellers Proxmox auf Basis von Debian Linux. Aktuell ist die Version 9.2 vom Mai 2026. Die Software lässt sich ohne Lizenzkosten einsetzen. Für den produktiven Betrieb bietet Proxmox Subskriptionen an, die Zugang zum stabilen Enterprise-Repository und je nach Stufe Support enthalten. Abgerechnet wird pro belegtem CPU-Sockel, unabhängig von der Anzahl der Kerne.
Die typische Ausgangslage
In Umgebungen mit zwei, drei Hosts und ein paar Dutzend VMs sehen wir häufig dieses Bild: zwei oder drei HPE-ProLiant-Server mit ESXi, ein vCenter, ein gemeinsamer Speicher per iSCSI oder NFS, dazu ein Domänencontroller, ein Fileserver, ein Terminalserver, eine Warenwirtschaft und einige Linux-Maschinen. Die Hardware ist oft noch nicht alt genug für einen Austausch, die Lizenz aber schon am Ende.
Bevor Sie migrieren, sollten Sie drei Fragen klären: Wie viele Hosts bekommt der neue Cluster? Wo liegen die Daten der VMs? Und wie sichern Sie die neue Umgebung?
Cluster: Drei Stimmen braucht es
Ein Proxmox-Cluster entscheidet per Mehrheitsabstimmung, welche Knoten aktiv sind. Das nennt man Quorum. Laut Proxmox-Dokumentation brauchen Sie für Hochverfügbarkeit mindestens drei Knoten, damit die Mehrheit zuverlässig feststellbar ist. Verliert der Cluster das Quorum, schaltet er in einen Nur-Lese-Modus.
Viele kleine Firmen haben aber nur zwei Hosts. Für diesen Fall sieht Proxmox ein QDevice vor. Das ist ein kleiner externer Dienst, der als dritte Stimme mitzählt. Er kann auf einem kleinen Linux-System außerhalb des Clusters laufen, zum Beispiel auf dem Backup-Server.
Wichtig ist auch das Netzwerk für die Clusterkommunikation. Proxmox verlangt Latenzen unter 5 Millisekunden und empfiehlt ein eigenes, physisch getrenntes Netz dafür. Eine eigene 1-Gbit-Netzwerkkarte reicht in der Regel. Die Clusterkommunikation sollte sich die Leitung nicht mit dem Speicherverkehr teilen.
Speicher: Die Entscheidung mit den meisten Folgen
Unter vSphere liegt alles auf einem VMFS-Datastore, Snapshots funktionieren überall. Bei Proxmox hängt der Funktionsumfang davon ab, welchen Speicher Sie wählen:
- Ceph: Von Proxmox empfohlen, verteilt die Daten über die Hosts. Sinnvoll ab drei Hosts mit ausreichend lokalen SSDs und schneller Vernetzung.
- iSCSI oder Fibre Channel mit LVM: Funktioniert mit vorhandenem SAN, Snapshots sind laut Dokumentation aber standardmäßig nicht möglich. Eine Option dafür ist derzeit als Technologievorschau gekennzeichnet.
- NFS oder SMB: Mit dem Dateiformat qcow2 funktionieren Snapshots für VMs.
- Lokaler Speicher mit ZFS: Für Einzelhosts eine solide Wahl. Mit der Speicher-Replikation von Proxmox lassen sich VMs zusätzlich in festen Abständen auf einen zweiten Host kopieren. Fällt ein Host aus, gehen allerdings die Änderungen seit der letzten Replikation verloren.
Ein typischer Fehler ist, ein vorhandenes iSCSI-SAN einfach weiterzuverwenden und erst nach der Migration festzustellen, dass Snapshots fehlen. Wer auf Snapshots vor Updates angewiesen ist, sollte das vorher klären. Proxmox selbst weist darauf hin, dass der Proxmox Backup Server mit schnellen Sicherungen und Live-Wiederherstellung viele Einsatzzwecke von Snapshots abdecken kann.
VMs umziehen mit dem Import-Assistenten
Seit Version 8.2 hat Proxmox einen Import-Assistenten für VMware eingebaut. Sie binden den ESXi-Host unter Rechenzentrum, Speicher, Hinzufügen als Quelle ein und importieren die VMs über die Weboberfläche. Laut Proxmox wurde der Import mit ESXi 6.5 bis 8.0 getestet. Dabei gibt es einige Einschränkungen:
- Der Import über das vCenter ist möglich, aber deutlich langsamer. Verbinden Sie sich besser direkt mit dem ESXi-Host.
- Festplatten auf vSAN lassen sich nicht direkt importieren.
- Verschlüsselte VM-Festplatten können nicht importiert werden.
- VMs mit Snapshots importieren deutlich langsamer. Löschen Sie alte Snapshots vorher.
Es gibt auch einen Live-Import, bei dem die VM schon während des Kopierens startet. Laut Proxmox gehen bei einem Fehler aber alle Daten verloren, die seit Beginn des Imports geschrieben wurden. Für Domänencontroller und Datenbanken würden wir darauf verzichten und lieber ein kurzes Wartungsfenster einplanen.
Windows-VMs vorbereiten
Die meisten Probleme bei der Migration entstehen in den Windows-VMs. Proxmox empfiehlt in seiner Migrationsanleitung folgende Vorbereitung:
- VirtIO-Treiber vorher installieren. VirtIO sind die Treiber für die virtuelle Hardware unter Proxmox. Ohne den VirtIO-SCSI-Treiber startet eine Windows-VM nach dem Umzug unter Umständen nicht. Die Treiber gibt es als ISO-Datei, das Installationsprogramm
virtio-win-gt-x64richtet alle Treiber auf einmal ein. - VMware Tools entfernen. Laut Proxmox lassen sich Werkzeuge der alten Plattform nach dem Umzug oft nur schwer deinstallieren.
- Feste IP-Adressen notieren. Die VM bekommt eine neue Netzwerkkarte. Windows kann dann vor einer doppelten IP-Adresse warnen, die noch an der alten Karte hängt.
- DHCP-Reservierungen anpassen. Die MAC-Adresse ändert sich, sofern Sie sie nicht manuell übernehmen.
- BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel sichern. Der Zustand eines virtuellen TPM lässt sich laut Proxmox derzeit nicht von VMware übernehmen. Ohne Wiederherstellungsschlüssel kommen Sie an verschlüsselte Laufwerke dann nicht mehr heran.
Bei der Wahl der Treiberversion lohnt ein Blick ins Proxmox-Wiki. Dort wird für Windows Server 2025 mit hoher Festplattenlast, etwa SQL Server, aktuell von Version 0.1.285 abgeraten und 0.1.271 als Ausweichlösung genannt.
Eine sinnvolle Reihenfolge
Bewährt hat sich, mit unkritischen VMs anzufangen, etwa einem Testserver oder einer Linux-Maschine. So lernen Sie den Ablauf kennen, bevor es an den Domänencontroller oder die Warenwirtschaft geht. Prüfen Sie nach jedem Umzug Start, Netzwerk, Dienste und Anwendungen. Vergessen Sie die Datensicherung nicht: Ihr bisheriges Backup-Programm muss Proxmox unterstützen, sonst brauchen Sie eine neue Lösung, bevor die erste produktive VM umzieht.
Wenn die vorhandenen Server ohnehin bald ersetzt werden, ist ein Parallelaufbau oft der einfachere Weg. Der neue Cluster entsteht auf neuer Hardware, die VMs ziehen nach und nach um, und die alten Hosts bleiben bis zum Schluss als Rückfallebene stehen.
Selbst betreiben oder auslagern?
Der Plattformwechsel ist auch eine gute Gelegenheit, grundsätzlich zu überlegen, ob eigene Server im Keller noch der richtige Weg sind. Bei manchen Firmen reicht ein einzelner Host für Domänencontroller und Fileserver vor Ort, während Terminalserver und Nextcloud in ein Rechenzentrum wandern. Wer seine Server ganz abgeben möchte, findet bei unserem Serverhosting Windows- und Linux-Server aus unserem Rechenzentrum bei Leipzig.
Wir betreuen Umgebungen mit vSphere, Hyper-V und Proxmox auf HPE-Servern vom MicroServer bis zur ProLiant-DL-Serie. Auf unserer Seite zur Virtualisierung erfahren Sie mehr darüber.
Sie überlegen, ob sich der Umstieg auf Proxmox für Ihre Umgebung lohnt? Sprechen Sie uns an, wir sehen uns Ihre Ausgangslage gern gemeinsam an.
Quellen
- Proxmox VE Wiki: Migrate to Proxmox VE
- Proxmox VE Dokumentation: Cluster Manager
- Proxmox VE Wiki: Windows VirtIO Drivers
- Proxmox VE Wiki: Roadmap und Release Notes
- Proxmox: Proxmox Virtual Environment 9.2 released (Pressemitteilung)
- Proxmox VE Subskriptionen
- Computer Weekly: Broadcom drops VMware perpetual licences and support
- Proxmox Server Solutions GmbH: Impressum
- Proxmox VE Dokumentation: Einführung und Lizenz
- Proxmox VE Dokumentation: Storage Replication
